George Clooney und die Monuments Men – ein amerikanischer Blick auf deutsche Museumsgeschichte

Filmdreh der Mitteldeutschland steht Kopf. George Clooney dreht einen Film an Orten wie Goslar und Merseburg und bringt damit den Zauber Hollywoods auch zu uns. Verfilmt wird dort die Geschichte der Monuments Men, einer Militäreinheit der US-Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg, die sich um die Kunstschätze in Europa verdient gemacht haben. Diese Kunstschutzeinheit wurde von dem Texaner Robert Edsel erforscht und publiziert – seine Publikation zeigt einmal mehr, wie einseitig Darstellungen von Geschichte sein können.

Ausgangspunkt für Edsels Forschungen war die Frage, wie es möglich war, dass in dem kriegszerstörten Europa, bei dem vor allem in den Großstädten kaum ein Stein auf dem anderen blieb, so viele Kunstwerke erhalten bleiben konnten. Seine Antwort hat er in den „Kunstschutzoffizieren in Uniform“ gefunden, jener militärischen Kunstschutzeinheit, die seit 1943 in Europa eingesetzt wurde, um sich um die Kunstschätze zu kümmern. Dabei ignoriert er jedoch, dass es auch auf deutscher Seite Bemühungen zum Erhalt des europäischen Kulturerbes gegeben hat.

Das mag darin begründet sein, dass Edsel den Schwerpunkt seiner Publikation auf die von den Nazis in Europa geraubte Kunst legt. Schon die zeitgenössische Kriegsberichterstattung in den USA stürzte sich begeistert auf die „Schatzsuche“ des Militärs und konnte somit das Bild des „bösen Deutschen“, der sich auch noch an Kunstschätzen vergangen hatte, festigen.

Ein Großteil der europäischen Kunstwerke war gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in Bewegung geraten, zum Teil verursacht durch die nationalsozialistischen Kunstpolitik, die sich – unter anderem für das geplante Führermuseum Linz – an den Kunstschätzen der besetzten Länder bereichert hatte. Auf höchst unterschiedliche Weise (und selten legal) wechselten in dieser Zeit Kunstgegenstände aller Art ihre Besitzer. Gegen Ende des Krieges befand sich kaum noch ein Kunstwerk an seinem ursprünglichen Platz. Die von den Naziführern erbeuteten Stücke waren teilweise in die Salzminen von Altaussee (Österreich) und nach Schloss Neuschwanstein gebracht worden –beide Orte werden sicherlich auch in Clooneys Verfilmung noch eine bedeutende Rolle spielen. Aber nicht nur die geraubten Kunstwerke waren auf der Reise, auch die deutschen Sammlungen waren vom Museumspersonal zu ihrem Schutz in Bergwerke, Salzminen und entlegenen Schlösser verbracht worden.

Nachdem die Monuments Men zunächst für den Schutz der europäischen Architektur und der ortsfesten Baudenkmäler eingesetzt worden waren, folgte nun in Schritt zwei der Schutz der mobilen Kunstwerke: Mithilfe einer weiteren militärischen Einheit, der Art Looting Investigation Unit ALIU (übrigens einem Vorläufer der heutigen CIA) wurden Listen dieser möglichen Verbringungsorte und der beteiligten Personen erstellt, die es nun galt aufzufinden.

Ein wesentlicher Teil der Arbeit der Monuments Men lag nun in der Sicherstellung dieser Kunstwerke und ihre Rückführung an ihre rechtmäßigen Eigentümer. Und dies waren nicht immer andere Nationen oder die verfolgte und enteignete jüdische Bevölkerung, sondern sehr häufig auch die deutschen Museen. Auch diese Rückführung erfolgte, auch wenn Deutschland die besiegte Nation war. Das Kulturerbe sollte für und in Deutschland bewahrt werden, so der Anspruch der Kunstschutzoffiziere. So haben sie neben der Wiedergutmachung der Raub- und Beutekunstfälle auch einen Teil zum Aufbau der deutschen Museumslandschaft beigetragen, in dem sie deren Bestände wieder ihren Heimatstätten zuführten und nicht etwa als Reparationsleistungen in die USA abtransportierten – wie dies zum Beispiel die sowjetischen Besatzer praktizierten.

Walter Farmer, Kunstschutzoffizier, in Wiesbaden (c) Monuments Men Foundation

Dabei muss man jedoch bedenken, dass die Monuments Men nur deshalb die Kunstwerke in den Auslagerungsstätten vorfinden konnten, weil zuvor deutsche Kulturverantwortlichen dafür gesorgt hatten, dass diese Kunstwerke aus der Gefahrenzone der Großstädte dorthin transportiert wurden. Eine Gefahrenzone, die wegen des Bombardements der alliierten Besatzer entstanden war. Und auch in der Folgezeit, als die Kunstschutzoffiziere die Kunstschätze in den sogenannten Central Collecting Points zusammenzutragen, um sie zu sichten und ihrer weiteren Bestimmung zu führen zu können, hatten sie tatkräftige Hilfe von deutschem Personal, ohne die diese Aufgabe nicht zu bewerkstelligen gewesen wäre.

Die Verfilmung von George Clooney wird vermutlich – wie zuvor schon die Edselsche Publikation – in patriotischer Tradition die amerikanischen Kunstschutzoffiziere als Helden stilisieren, die alleine dafür Sorge trugen, dass nach 1945 in Europa überhaupt noch so etwas wie Kultur fortbestehen konnte. Ohne ihre Leistung schmälern zu wollen, darf aber nicht vergessen, dass auch auf europäischer und auch auf deutscher Seite Wesentliches zum Schutz und Erhalt des Kulturerbes beigetragen wurde. Hollywood zeigt nur eine Seite der Medaille.

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