George Clooney spielt Lt. Cmdr. George Stout, Kunstschutzoffizier

Based upon a true story: Die Monuments Men (Teil 2)

„Monuments Men“ Matt Damon, Bill Murray, George Clooney (v.l.)

Die Verfilmung der „Monuments Men“ beruht auf einer wahren Geschichte. In dieser Reihe möchte ich gerne die historischen Personen hinter den Hollywoodschauspielern vorstellen. Produzent George Clooney spielt die tragende Rolle des George Stout (rechts im Bild), dem in der Geschichte der Monuments Men eine bedeutende Rolle zukommt, da er zu den ersten Amerikanern gehörte, die erkannten, wie die Nationalsozialisten und der Zweite Weltkrieg die europäischen Kunstschätze gefährdeten. Es ist in wesentlichen Teilen ihm zu verdanken, dass eine professionelle Kunstschutzeinheit innerhalb der Armee installiert wurde, die nicht nur in der Theorie von der Notwendigkeit des Kulturgüterschutzes überzeugt war, sondern diesen in auch in der anstrengenden und unbequemen Feldarbeit in die Tat umsetzte.
Stout war von der Sinnhaftigkeit seiner Aufgabe überzeugt:

„From my point of view, this [being a Monuments Man] is not a bad job. During the last three weeks I’ve been in harness with an Englishman who’s gone horribly sour and says we’re wasting our time. I don’t know what he expected. Some strange romantic adventure, personal glory or great authority perhaps (…). We can’t count the result but I’m satisfied, not with what I’ve done but with what the job stands for.“ George Stout in einem Brief an seinen Kollege Langdon Warner, 4.10.1944

George Stout

George Stout (c) Monuments Men Foundation

George L. Stout (*1897, †1978) diente als junger Mann der US-amerikanischen Armee bereits im Ersten Weltkrieg. Er studierte nach dem Krieg an der Harvard Universität und erhielt dort im Jahre 1928 seinen Masterabschluss. Seit 1933 war er der Leiter der Restaurierungs-Abteilung am Fogg Art Museum (Harvard) und ein anerkannter Experte für Konservierungstechniken. Durch seine beruflichen Kontakte nach Europa erlangte er bereits früh Kenntnis von der Evakuierung der dortigen Museumsbestände. Diesem Beispiel wollte er in den USA folgen. Auf seine Initiative hin entstand ein Flugblatt für die amerikanischen Museumsverantwortlichen, das ihnen für die Evakuierung der eigenen Museen wichtige Hilfestellungen geben sollte. Die ersten Gedanken zum Kulturgüterschutz betrafen also noch nicht das europäische Kulturerbe, sondern galten der Sicherheit der eigenen Kunstsammlungen in den Vereinigten Staaten, wobei man die Überlegung anstellte, Museumsbestände in Depots auszulagern, wie es die europäischen Museen seit Kriegsbeginn taten. Im Dezember 1941, nach dem Angriff auf Pearl Harbor, kamen deshalb amerikanische Museumsverantwortliche im New Yorker Metropolitan Museum zu einem Fachtreffen zusammen, um die notwendigen Maßnahmen zum Schutz der Sammlungsbestände zu besprechen. Einig war man sich darin, dass die Museen geöffnet bleiben sollten, damit die amerikanische Bevölkerung auch in Kriegszeiten weiterhin Zugang zu den Sammlungen habe. Wesentlichen Expertenrat erhielten die Teilnehmer der Zusammenkunft von George Stout, der bereits im Ersten Weltkrieg die kriegsbedingten Zerstörungen in Europa erlebt hatte. Zusammen mit Kollegen der Harvard University half Stout die American Defense Harvard Group zu gründen, die später die Roberts Commission initiieren sollte.

Stout hegte eine tiefe Ablehnung gegen den wenig praktischen und damit in seiner Meinung wenig praktikablen Ansatz der Harvard Group und setzte sich für die Gründung einer Kunstschutzeinheit ein, die im Kriegs- bzw. besetzten Gebiet tätig werden sollte. Stout sah von Anfang an Kenntnisse und praktische Fähigkeiten im konservatorischen Bereich als ausschlaggebend für den Kulturschutz im besetzten Gebiet an. Dabei stand für ihn die praktische Umsetzung (Personal, Umgang mit den Materialien) vor Ort klar im Fokus. Ferner reichte es Stout nicht aus, nur von Amerika aus beratend zu wirken, die Kunstschützer sollten seiner Meinung nach vor Ort sein, um direkt nicht nur registrierende, sondern auch konservatorische Maßnahmen ergreifen zu können. Stout sorgte sich um den Verbleib und den Erhalt der europäischen Kulturgüter während des Krieges und in der unruhigen Zeit danach und träumte von einer Art „Roten Kreuz für die Kunst“ . Für diesen Gedanken konnte er den Direktor des Fogg Art Museums, Paul Sachs, gewinnen. Paul Sachs (1878-1965), seit 1921 Dozent an der Harvard University, hatte in seinem Kurs „Museum Work and Museum Problems“ viele der aktuell tätigen amerikanischen Kuratoren und Museumsdirektoren für die praktische Museumsarbeit ausgebildet. Er mobilisierte ein Unterstützerkomitee aus amerikanischen Kunsthistorikern und Archäologen, um die Kunstschutz-Idee 1942 dem amerikanischen Präsidenten Roosevelt zu präsentieren.

Zur gleichen Zeit versuchte George Stout auch in England die Gründung einer solchen Kunstschutzinstitution anzuregen. Gemeinsam mit W. G. Constable , Kurator am Museum of Fine Arts in Boston und Unterstützer von Stouts Ideen, hatte er englische Kulturverantwortliche, wie etwa den Direktor des Victoria & Albert Museum Eric MacLagen schriftlich über die amerikanischen Bemühungen unterrichtet und versucht, eine vergleichbare Aktion in England anzuregen, wenngleich er hier zunächst auf skeptische Reaktionen stieß, da die Verantwortlichen die Umsetzungsfähigkeit einer solchen Institution bezweifelten.

Seiner Forderung nach einer praktischen Umsetzung des Kulturgüterschutzes entsprechend, gehörte George Stout zu den ersten Armee-Angehörigen, die der neu gegründeten Monuments, Fine Arts & Archives-Section für den Einsatz in Europa zugeteilt wurden. Gemeinsam mit seinem Harvard-Kollegen W.G. Constable schrieb er mit dem Brief Manual of Safeguarding and Conservation in the Field ein Handbuch, das die Monuments Men bei ihrer Feldarbeit unterstützen sollte. Er war dann auch einer der ersten MFA&A-Mitglieder, der in der Normandie landete. Er rückte mit der 12. Armee durch Frankreich, die Niederlande und Deutschland, wo er unter anderem half, die Kulturschätze von Caen, Maastricht und Aachen zu schützen sowie die Depots von Siegen, Heilbronn, Köln, Merkers und Altaussee sicherzustellen. Er verließ Europa bereits Ende Juli 1945 und setzte seinen Kunstschutzdienst in Japan fort. In Tokio wurde er Chief of the Arts and Monuments Division at Headquarters of the Supreme Commander for the Allied Powers und blieb dort bis Mitte 1946.
Nach seinem Kriegseinsatz kehrte er in seine vorherige Position am Fogg Art Museum zurück, wurde aber bereits 1947 zum Direktor des Worcester Art Museum (Worcester, MA) ernannt. Von 1955 bis 1970 übernahm Stout die Direktion am Isabella Stewart Gardner Museum in Boston.

Quellen und weiterführende Literatur:

  • Tanja Bernsau: Die Besatzer als Kuratoren? Der Central Collecting Point Wiesbaden als Drehscheibe für einen Wiederaufbau der Museumslandschaft nach 1945. Lit, Münster 2013, ISBN 978-3-643-12355-8.
  • Dictionary of Art Historians: Constable, W[illiam] G[eorge], http://www.dictionaryofarthistorians.org/constablew.htm; Sachs, Paul J[oseph] http://www.dictionaryofarthistorians.org/sachsp.htm
  • Robert M. Edsel, Bred Witter: Monuments Men. Allied Heroes, Nazi Thieves and the Greatest Treasure Hunt in History. London, New York 2009.
  • Flanner, Janet: Men and Monuments, New York 1957
  • Walter Farmer: Die Bewahrer des Erbes. Das Schicksal deutscher Kulturgüter am Ende des Zweiten Weltkrieges, Berlin 2003
  • Cay Friemuth: Die geraubte Kunst. Der dramatische Wettlauf um die Rettung der Kulturschätze nach dem Zweiten Weltkrieg. Entführung, Bergung und Restitution europäischen Kulturgutes 1939–1948. Westermann, Braunschweig 1989
  • Günther Haase: Kunstraub und Kunstschutz. Eine Dokumentation, Hildesheim 1991
  • Charles L. Kuhn: German Paintings in the National Gallery: A Protest, in: College Art Journal, Vol. 5, No. 2, Jan. 1946, 78-82, S. 79.
  • Iris Lauterbach: Central Art Collecting Point und Zentralinstitut für Kunstgeschichte 1945-1949. Kunstschutz, Restitution und Wissenschaft, in: Kunstgeschichte in München 1947. Institutionen und Personen im Wiederaufbau, hrsg. von Iris Lauterbach, München 2010, S. 7-18
  • Monuments Men Foundation for the Preservation of Art: George Stout (1897-1978), http://www.monumentsmenfoundation.org/bio.php?id=288
  • Lynn H. Nicholas: Der Raub der Europa. Das Schicksal europäischer Kunstwerke im Dritten Reich, München 1995
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