Auch die Sammlung Liebermanns im Wiesbadener CCP gelagert?

Max Liebermann 1931 (Bildquelle: Wikipedia)

englisch_50x33Max Liebermann war nicht nur ein bedeutender Maler des deutschen Impressionismus‘, er war auch selbst ein großer Kenner und Sammler moderner Kunstwerke.

Der in Berlin lebende und hochgeschätzte Künstler sammelte Werke unter anderem von Courbet, Monet und  Corot und zeigte sie, zusammen mit erlesenem Mobiliar und sonstigem Kunstobjekten, in seinem prominentem Haus am Pariser Platz, direkt neben dem Brandenburger Tor.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten endete jedoch die Anerkennung des Juden Liebermann. Er verlor seine Position als Präsident der Berliner Akademie der Künste, die er seit 1920 innehatte. Freiwillig legte er sein Amt nieder, aber doch stark beeinflusst durch die äußeren Einflüsse einer Welt, in der es keinen Platz mehr für zu geben schien. Er selbst verstarb 1935. Zahlreiche jüdische Wegbegleiter gaben ihm die letzte Ehre, als er auf dem Jüdischen Friedhof Schönhauser Allee  beigesetzt wurde, Vertreter der Stadt, der Presse oder der Berliner Akademie fehlten jedoch.

Seine Witwe Martha lebte weiter mit der Kunstsammlungen in Berlin. 1943 beging sie – die Deportation ins KZ Theresienstadt vor Augen – Selbstmord. Die Tochter Katharina Riezler war bereits 1938 in die USA emigriert. Das Haus am Brandenburger Tor wurde im Kriegsverlauf schwer beschädigt. Einige Kunstwerke hatte Martha Liebermann noch mithilfe des befreundeten schwedischen Künstlers Anders Zorn und dessen Frau Emma nach Schweden verbringe können. Von den meisten anderen Kunstwerken fehlt jede Spur. Was passierte mit den Kunstwerken der Sammlung Liebermann?

„Ick kann jar nich soville fressen, wie ick kotzen möchte.“

Max Liebermann war kein Freund der Nationalsozialisten. Als Jude, nicht als entarteter Künstler, wurde er diffamiert, seine Kunstwerke aus öffentlichen Sammlungen entfernt. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Liebermann nur noch in seinem Haus, zusammen mit seiner Kunstwerke. Mit Politik wollte er nichts mehr zu tun haben, aus dem öffentlichen Leben zog er sich zurück. Nur wenige Jahre nach der Machtübernahme starb er 88jährig. Seine Kunstsammlung vermachte er seiner Frau Martha, nach deren Tod 1943 erbte sie die gemeinsame Tochter Katharina, genannt Käthe.

Nach Kriegsende machte sich Katharina nun auf die Suche nach Kunstwerken. Da die Kunstwerke der öffentlichen Sammlungen größtenteils über eine kriegsbedingte Auslagerung im Salzbergwerk Merkers ihren Weg in den Central Collecting Point Wiesbaden im heutigen Landesmuseum fanden, fragte sie auch dort nach ihren Kunstwerken. Im Restitutionsantrag von 1947 gibt Katharina Riezler an, dass die Nazis direkt nach Martha Liebermanns Tod den gesamten Inhalt ihrer Wohnung, mittlerweile Graf-Spee-Str. 23, Berlin, verkauft hatten. Zumindest einen Teil dieser Kunstwerke benannte Katharina in einer angehängten Liste auf, darunter auch fünf Werke ihres Vaters, sowie eine Zeichnung von Rembrandt, eine größere Anzahl von Drucken von Daumier, sowie Gemälde von Corot, Daubigny, Degas, Monet und einige kunsthandwerkliche Arbeiten.

Am 18.02.1947 antwortete der damalige Leiter der MFA&A, Theodore A. Heinrich:

It is regretted that none of the paintings and other art objects belonging to the late Mrs. Martha Liebermann and claimed by her heir, Mrs. Katharina Riezler, has been identified at the Wiesbaden Collecting Point.

Man wolle aber die Liste aufbewahren für den Fall, dass die Kunstwerke noch in den WCCP eingeliefert werden.

Und in der Tat konnte am 6. Januar 1950 die Vermutung geäußert werden, dass eines der vermissten Liebermann-Gemälde „Garden im Wannsee“ nun in der Neuen Galerie Linz zu finden sei. Weitere Nachforschungen, ob es sich bei den Werken um ein und dasselbe Bild handelt (Wannsee-Bilder waren ein beliebtes Motiv in Liebermanns Spätwerk), wurden vorgeschlagen – hier endet jedoch die Aktenlage im Nationalarchiv Washington und damit auch die einzige greifbare Spur der Liebermann-Sammlung nach Kriegsende.

Beispiel-Bild: Wannsee-Garten von Max Liebermann, 1926, aus der Kunsthalle Emden (Bildquelle: Wikipedia)

Ein Puzzlestück in der Sammlungsgeschichte, das mir nun beinahe durch Zufall im Archivmaterial der Alliierten in die Hände gefallen ist. Weitere solcher Puzzlestücke finden sich sicherlich noch in anderen Archiven. Eine Ausstellung in der Liebermann-Villa am Wannsee versucht aktuell, die Sammlung zu rekonstruieren. Vielleicht konnten die Provenienzforscher dem gesamten Puzzlebild näher kommen.

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