Ein Gast in Wiesbaden – Die „Nanna“ aus der Berliner Gemäldegalerie

Ansel Feuerbach: Nanna 1861 (Berlin)

Anselm Feuerbach: Nanna 1861 (Berlin)

Im Museum Wiesbaden sind aktuell zahlreiche „Nanna“-Gemälde von Anselm Feuerbach in der Ausstellung „Nanna – Anselm Feuerbachs Elixier einer Leidenschaft“ zu bewundern. Diese Ausstellung wurde durch zahlreiche Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen ermöglicht. Eine dieser Leihgaben ist nicht zum ersten Mal in Wiesbaden zu sehen: Die „Nanna“ aus der Berliner Gemäldegalerie aus dem Jahr 1861 war bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg zu Gast in Wiesbaden – damals noch als Einlagerungsgut des Central Collecting Points.

Diese Nanna gehörte zu den Beständen der Berliner Nationalgalerie, die 1945 ihren Weg von Berlin über die Salzminen in Merkers (Thüringen) nach Wiesbaden gefunden hatte. Seit 1860, als Feuerbach die Römerin Anna Risi, genannt Nanna, kennen lernte, entstanden zahlreiche Bilder mit ihr als Motiv: als Porträt oder als Modell etwa für die „Iphigenie“-Bilder. Als deutscher Künstler stand Feuerbach bei den Nationalsozialisten hoch im Kurs. So war dies nicht das einzige Nanna-Bildnis, das nach 1945 im CCP Wiesbaden eingelagert war.

WIE 1784: Property Card Anselm Feuerbach

WIE 1784: Property Card Anselm Feuerbach

Und nicht immer war die Eigentumslage so eindeutig wie im Fall der Berliner Nanna. Ein weiteres, undatiertes Ölgemälde, das die Nanna nach links gewandt zeigt, war am 4. September 1945 in Wiesbaden eingegangen. Es war zuvor in der Reichsbankstelle, Heidelberg, gelagert und dort von Lt. Rorimer am 29. August aufgefunden worden. Im Laufe der Untersuchungen im CCP stellte sich heraus, dass die Familie „Wolf“ dieses Gemälde an Dr. Nathan, Eigentümer der Münchner Ludwigsgalerie, verkauft hatte. Dr. Nathan wiederum verkaufte es an einen „Herrn Bauer“, einen Agenten des Nazi-Photographen Hoffmann. Durch diese Quelle gelangte es vermutlich in die Sammlung Hitlers oder Goebbels‘.

Noch heute sind die Eigentumsverhältnisse des Gemäldes unklar. Mit der Auflösung des Wiesbadener CCPs kam es über den CCP München (wo es die MüNr. 50057 erhielt) in deutsche Treuhandverwaltung, heute angesiedelt beim Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen (BADV). Das Bundesarchiv listet es unter der Nummer B323/694 auf. Weitere Nachforschungen haben dort ergeben, dass es sich auf dem Berghof befunden hatte, da es 1935 an Hitlers Privatsammlung verkauft worden war. Inwieweit hier ein „verfolgungsbedingter Entzug“ vorliegt, müsste untersucht werden. War „Medizinalrat Dr. Wolf“  als jüdischer Mitbürger enteignet worden? Ohne Kenntnis des Vornamens ist das schwierig herauszufinden. Wir wissen lediglich, dass er selbst 1935 bereits verstorben war, da seine Witwe dieses Bild zum Verkauf gegeben hatte. Ein möglicher Erbe hat sich bis dato nicht gemeldet.

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