Monuments Men – Wahre Helden oder nur ein großer Hype?

The Monuments Men Press Tour (© John Russo 2013)

The Monuments Men Press Tour (© John Russo 2013)

Es dauert nun nicht mehr lange bis die „Monuments Men“ in deutschen Kino zu sehen sind. George Clooney erzählt in diesem Hollywood-Blockbuster die Geschichte der amerikanischen Kunstschutzoffiziere, die sich gegen Ende des Zweiten Weltkriegs auf heldenhafte Kunstschatzsuche machten. Indiana Jones in Team-Work. Eine Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht. Erzählt natürlich aus einem amerikanischem Blickwinkel und mit entsprechendem Pathos, wie es sich für einen US-amerikanischen Kriegsfilm gehört. Aber wer waren die Monuments Men wirklich?

Die Monuments Men waren eine anglo-amerikanische Gruppe von Kunstschutzoffizieren, im Zivilberuf Museumskuratoren, Denkmalschützer, Architekten, Künstler, die im Zweiten Weltkrieg die Aufgabe übernommen hatten, europäisches Kulturgut vor der Zerstörung zu retten. Nur eine Handvoll Männer und Frauen, ausgestattet mit den denkbar schlechtesten Ressourcen, folgten sie in Europa dem Frontverlauf und begaben sich auf die Suche nach dem Kunstschatz der Nazis – unter Einsatz ihres Lebens.

(c) Monuments Men FoundationDabei waren die Anfänge zunächst eher theoretischer Natur: Die ersten Ansätze finden sich in den Universitäten und Museen der amerikanischen Ostküste, die bei Kriegseintritt in Sorge um ihre eigenen Museumsbestände  waren. Schnell erkannte man, dass auch Europas Kulturgüter in Gefahr waren. Es entstanden Karten mit besonders schützenswürdigen Bauwerken und die Idee, ausgewählte Kunstschutzoffiziere in das Kriegsgebiet zu senden. Die erste Aufgabe der neugegründeten Monuments, Fine Arts & Archive-Section der Armee (MFA&A) war es, Kunstwerke in Europa nach Kriegseintritt der USA vor allem vor eigenem Bombardement zu schützen. Auch hatten die Monuments Men dafür Sorge zu tragen, dass die alliierten Truppen nicht in den Kulturstätten Quartier bezogen, plünderten oder das Mobiliar als Brennholz verwendeten. Erst in einem zweiten Schritt sorgte man sich um die Kunstwerke, die kriegsbedingt in Bewegung geraten und in ganz Europa verstreut waren. Darunter befanden sich ohne Frage auch Kunstwerke, die von den Nationalsozialisten geraubt worden waren, aus den besetzten Ländern wie auch von der entrechteten jüdischen Bevölkerung. Ein sehr großer Teil dieser Kunstwerke war jedoch das rechtmäßige Eigentum deutscher Museen, das zum Schutz vor den Bombardements der Alliierten in Bergwerken, abgelegenen Schlössern etc. ausgelagert worden war.

Die Monuments Men waren dabei nicht die einzigen, die sich um die europäischen Kunstschätze sorgten. Durch Hitlers Nerobefehl standen vielerorts die Kunstwerke in Gefahr, von fanatischen Nazi-Anhängern noch bei Kriegsende zerstört zu werden. In einem meiner letzten Blogbeiträge habe ich die Geschichte der Kunstwerke in Altaussee erzählt, einem der Hauptschauspielplätze des Monuments-Men-Films. Dort sorgten die Verantwortlichen vor Ort davor, dass der Nerobefehl nicht umgesetzt wurde. Als die Monuments Men dort ankamen, war der heldenhafte Teil des Kunstschutzes bereits erledigt, sie mussten die Kunstwerke nur noch abtransportieren. Bei vielen weiteren Aktionen konnten die Monuments Men auf die Hilfe von lokalen Kulturvorantwortlichen zurückgreifen, beim Auffinden, beim Transport, bei der Zuordnung und Inventarisierung, bei der Konservierung und auch bei der Restitution – ohne diese Hilfe wäre ihre Arbeit nicht machbar gewesen.

Der wirkliche Verdienst der MFA&A liegt meines Erachtens ganz woanders, weit weniger heroisch, eher langfristig orientiert und durch viel Verwaltungsarbeit geprägt – und damit natürlich weit weniger Hollywood-tauglich. Weniger die Schatzsuche nach von Nazis geraubter Kunst machte die Monuments Men zu Helden für das europäische Kulturerbe als vielmehr die grundsätzliche Überzeugung, die dazu geführt hatte, eine solche Militäreinheit zu etablieren. Dass das Kulturgut einer Nation stets schützenswert ist, dass es wesentlich zum Selbstverständnis eines Volkes beiträgt und dass es selbst dann bewahrt werden müsse, wenn dieses Volk große Verbrechen an der Menschlichkeit begangen hat. Die Institutionalisierung des Kulturschutzes in Kriegszeiten sorgte dafür, dass deutsches Kunstgut, das schon lange vor 1933 in den Museen war, nicht – wie es jahrhundertelang Kriegstradition war – von den Siegern zerstört oder geplündert wurde, sondern in Deutschland bleiben konnte.

Eine wichtige Basis für den kulturellen Wiederaufbau. Hätten wir den auch ohne Hilfe der Monuments Men geschafft? Vermutlich. Welche Rolle haben sie also gespielt?

Nun ist es schwierig zu beurteilen, was ohne die Monuments Men passiert wäre oder ob man es hätte besser machen können. Schäden an Bauwerken und Denkmälern lassen sich im Falle eines bewaffneten Konflikts vermutlich nie ganz vermeiden, auch wenn man es sich vornimmt. Die ausgelagerten Kunstwerke der deutschen Sammlungen wären höchstwahrscheinlich nach Kriegsende auch von Deutschen gefunden und sichergestellt worden. Die Institutionalisierung, die strukturierte Arbeit der Monuments in den Collecting Points hat die ganze Aufgabe jedoch enorm erleichtert und auch beschleunigt. Durch das Zusammentragen und Inventarisieren der Kunstwerke, durch die Zusammenarbeit mit den deutschen Museumsmitarbeitern und Kulturinstitutionen, durch Publikationen über ihr Wirken in Europa, durch Lobby-Arbeit in Amerika haben die Monuments Men wesentlich zum Wiederaufbau der europäischen Museumslandschaft beigetragen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s