Der Praktiker: George Stout

George Stout

Eine der Hauptfiguren des Films spielt Clooney selbst: Den Kunstschutzoffizier George Stout. George L. Stout (*1897, †1978) diente als junger Mann der US-amerikanischen Armee bereits im Ersten Weltkrieg. Er studierte nach dem Krieg an der Harvard Universität und erhielt dort im Jahre 1928 seinen Masterabschluss. Seit 1933 war er der Leiter der Restaurierungs-Abteilung am Fogg Art Museum (Harvard) und ein anerkannter Experte für Konservierungstechniken. Auf seine Initiative hin entstand ein Flugblatt für die amerikanischen Museumsverantwortlichen, das ihnen für die Evakuierung der eigenen Museen wichtige Hilfestellungen geben sollte. Die ersten Gedanken zum Kulturgüterschutz betrafen also noch nicht das europäische Kulturerbe, sondern galten der Sicherheit der eigenen Kunstsammlungen in den Vereinigten Staaten, wobei man die Überlegung anstellte, Museumsbestände in Depots auszulagern, wie es die europäischen Museen seit Kriegsbeginn taten. Zusammen mit Kollegen der Harvard University half Stout die American Defense Harvard Group zu gründen, die später die Roberts Commission initiieren sollte.

Stout hegte eine tiefe Ablehnung gegen den wenig praktischen und damit in seiner Meinung wenig praktikablen Ansatz der Harvard Group und setzte sich für die Gründung einer Kunstschutzeinheit ein, die im Kriegs- bzw. besetzten Gebiet tätig werden sollte. Stout sah von Anfang an Kenntnisse und praktische Fähigkeiten im konservatorischen Bereich als ausschlaggebend für den Kulturschutz im besetzten Gebiet an. Dabei stand für ihn die praktische Umsetzung (Personal, Umgang mit den Materialien) vor Ort klar im Fokus. Auch reichte es Stout nicht aus, nur von Amerika aus beratend zu wirken, die Kunstschützer sollten vor Ort sein, um direkt konservatorische Maßnahmen ergreifen zu können. Stout sorgte sich um den Verbleib und den Erhalt der europäischen Kulturgüter während des Krieges und in der unruhigen Zeit danach und träumte von einer Art “Roten Kreuz für die Kunst” .

Thomas Carr Howe, George Stout und Karl Sieber in the Kammergrafen-Mine in Altaussee, Österreich, 09.07.1945; Archives of American Art

Seiner Forderung nach einer praktischen Umsetzung des Kulturgüterschutzes entsprechend, gehörte George Stout zu den ersten Armee-Angehörigen, die der neu gegründeten Monuments, Fine Arts & Archives-Section für den Einsatz in Europa zugeteilt wurden. Gemeinsam mit seinem Harvard-Kollegen W.G. Constable schrieb er mit dem Brief Manual of Safeguarding and Conservation in the Field ein Handbuch, das die Monuments Men bei ihrer Feldarbeit unterstützen sollte. Er war dann auch einer der ersten MFA&A-Mitglieder, der in der Normandie landete. Er rückte mit der 12. Armee durch Frankreich, die Niederlande und Deutschland, wo er unter anderem half, die Kulturschätze von Caen, Maastricht und Aachen zu schützen sowie die Depots von Siegen, Heilbronn, Köln, Merkers und Altaussee sicherzustellen. Er verließ Europa bereits Ende Juli 1945 und setzte seinen Kunstschutzdienst in Japan fort. In Tokio wurde er Chief of the Arts and Monuments Division at Headquarters of the Supreme Commander for the Allied Powers und blieb dort bis Mitte 1946. Nach seinem Kriegseinsatz kehrte er in seine vorherige Position am Fogg Art Museum zurück, wurde aber bereits 1947 zum Direktor des Worcester Art Museum (Worcester, MA) ernannt. Von 1955 bis 1970 übernahm Stout die Direktion am Isabella Stewart Gardner Museum in Boston.

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2 Gedanken zu “Der Praktiker: George Stout

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  2. Pingback: Washington, Neuschwanstein, Wiesbaden: Stationen des Monuments Man Lamont Moore | Dr. Tanja Bernsau

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