„Monuments Woman“: Rose Valland

Rose Valland

Cate Blanchett spielt in „The Monuments Men“ die Französin Claire Simon, deren Charakter sich auf Rose Valland zurückführen lässt. Die historische Person Rose Valland (1898-1980), eine französische Kunsthistorikerin, spielte auch in der wahren Geschichte der Monuments Men eine bedeutende Rolle.

Ausgebildet an der Ècole national supérieure des beaux-arts und an der Ècole du Louvre in Paris, war sie Expertin für italienische Kunst der Frührenaissance. In späteren Studien am College de France und am Institute d’art et d’archéologie der Pariser Universität eignete sie sich weitere Kenntnisse in moderner Kunst, mittelalterlicher Archäologie und griechischer Archäologie an. Bereits seit 1932 war Valland ehrenamtliche Mitarbeiterin am Pariser Jeu de Paume -Museum im Tuileriengarten, wo sie kuratorisch tätig war, Ausstellungen organisierte und Kataloge verfasste.

Im Oktober wurde das Gebäude des Jeu de Paume von den Nazis als Hauptquartier für den Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR) auserkoren. Dieser spielte für den Kunstraub der Nationalsozialisten eine bedeutende Rolle. Adolf Hitler hatte am 1. März 1942 den ERR zur Konfiszierung von Kulturgütern ermächtigt, insbesondere von jüdischen Mitbürgern, aber auch von Freimaurern und sonstigen ideologischen Feinden des Nationalsozialismus, denen er die Schuld für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs gab.

“Ich habe daher den Reichsleiter Alfred Rosenberg beauftragt, diese Aufgabe im Einvernehmen mit dem Chef des Oberkommandos der Wehrmacht durchzuführen. Sein Einsatzstab für die besetzten Gebiete hat das Recht, Bibliotheken, Archive, Logen und sonstige weltanschauliche und kulturelle Einrichtungen aller Art nach entsprechendem Material zu durchforschen und dieses für die weltanschaulichen Aufgaben der NSDAP und die späteren wissenschaftlichen Forschungsarbeiten der Hohen Schule beschlagnahmen zu lassen. Der gleichen Regelung unterliegen Kulturgüter, die im Besitz oder Eigentum von Juden, herrenlos oder nicht einwandfrei zu klärender Herkunft sind.” (Führererlass vom März 1942)

Rosenbergs Auftrag bestand dabei in erster Linie in der Sammlung von Kultgegenständen, die zum Aufbau der geplanten Akademie für Spirituelle und Ideologische Ausbildung gedacht war. Gemälde, die Rosenberg als jüdisch, kulturbolschewistisch oder nicht-nordische abwertete, verschwanden nach und nach aus deutschen Museen, privaten Sammlungen und Kunsthandlungen. Mit der Ermächtigung des ERR im Jahre 1942 wurden diese Requirierungen auch auf die besetzten Gebiete ausgedehnt. Alle Maßnahmen zur Sicherstellung von Kunstwerken mussten mit dem ERR abgestimmt werden. Rosenbergs Einsatzstab erhielt somit die größtmögliche Autorität und eine Monopolstellung für die Aneignung von Kunstwerken zugewiesen. Er musste über jeden Fund informiert werden und nur in Ausnahmefällen, wenn etwa die Gefahr der Zerstörung aufgrund unsachgemäßer Lagerung bestand, durften auch andere Institutionen Kunstwerke bergen.

Rose Valland (c) Monuments Men

In Paris bezog der ERR also nun Quartier im Jeu de Paume, wo die Kunstwerke gesammelt werden sollten, die von den ERR-Mitarbeitern aus privaten, überwiegend jüdischen Sammlungen geraubt wurden. Jacques Jaujard, Direktor der Nationalmuseen, erkannte die Chance, einen Insider im Einsatzstab unterzubringen, und sorgte dafür, dass Rose Valland als Mitarbeiterin übernommen wurde, so dass sie Informationen über den Nazi-Kunstraub sammeln und ihm weiterleiten konnte.

Ob es man es ihr als Frau nicht zutraute, eine Spionin zu sein, oder ob es an ihrem unscheinbaren Äußeren lag, dass man sie nicht ausreichend wahrnahm – Rose Valland war die perfekte Person dafür, unbemerkt an Informationen zu gelangen. Sie sprach deutsch, was die deutschen Besatzer allerdings nicht wussten. Mit ihrer stillen und zurückhaltenden Art konnte sie einen umfassenden Einblick in die Vorgehensweise des ERR erlangen. Sie notierte Details der ERR-Kunstraubzüge, die von Paris aus in alle Teile des Deutschen Reiches versandt wurden, kopierte Listen und kannte die Transporttermine. Dazu sammelte sie Informationen bei den Fahrern, Wachposten und Packern. Wertvolles Wissen, das sie an Jaujard und die Französische Widerstandsbewegung weitergab. Mithilfe dieser Informationen konnte beispielsweise der letzte Zug mit kostbaren Kunstwerken, der Paris im Auftrag der Deutschen verlassen sollte, von der Résistance gestoppt werden.

Im Herbst 1944 kam James Rorimer in Paris an und traf mit Jacques Jaujard zusammen, um die Maßnahmen der Monuments Men in der Stadt zu besprechen. Dieser machte Rorimer mit Rose Valland bekannt. Als Rorimer von Jaujard über die Aufgabe der Französin im ERR informiert wurde, konnte er es kaum glauben. Diese unscheinbare Person sollte eine Spionin sein?

“And yet… he had always believed there was more to her. (…)He could never, in fact, remember much of what she said at all, which in itself, he now realized, should have made him suspicious. She wasn’t just a frumpy, anonymous museum employee. Or perhaps because she was a frumpy, anonymous museum employee, she was also something else. She was the ideal spy.”(Robert M. Edsel, Bred Witter: The Monuments Men. Allied Heroes, Nazi Thieves and the Greatest Treasure Hunt in History. London, New York 2009, S. 160)

Zunächst verhielt sich Valland misstrauisch den Besatzern gegenüber und hielt ihre Informationen zurück. Dem britischen Kunstschutzoffizier McDonnell gab sie keine Auskünfte über die Kunsttransporte. Wem konnte man denn in diesen Zeiten noch trauen? Ihre Arbeit im ERR war lebensgefährlich gewesen, hätte man sie bei ihrer Informationssammlung entdeckt. Dieses Wissen – unter Einsatz ihres Lebens erworben – konnte sie nicht einfach preisgeben. Und wer sagt denn, dass die Alliierten, sobald sie Kenntnis über den Verbleib der wertvollen französischen Kunstschätze haben, selbige nicht als Kriegsbeute nach USA bringen? Rose Valland blieb zurückhaltend und schwieg.

Nach und nach gelang es Rorimer jedoch, Vallands Vertrauen zu gewinnen. Nach der alliierten Besetzung Frankreichs plante die US-Army, im Jeu de Paume eine Poststelle einzurichten, was Rorimer in seiner Funktion als Kunstschutzoffizier aber verhindern konnte. Ein Pluspunkt für den Amerikaner in Rose Vallands Augen. Und so vertraute sie sich im Dezember 1944 schließlich James Rorimer an. Durch sie erlangte er Kenntnis der Auslagerungsstätten in Heilbronn, Hohenschwangau und Neuschwanstein.

Edith Standen und Rose Valland im CCP Wiesbaden (c) Jüdisches Museum Berlin

Edith Standen und Rose Valland im CCP Wiesbaden, 24.05.1946 (c) Archives of American Art

Nach 1945 kam Rose Valland als Vertreterin der französischen Restitutionsanträge auch in den Central Collecting Point Wiesbaden, um die dort eingelagerten Kunstwerke auf Beutekunst, geraubt aus Frankreich, zu untersuchen und identifizierte Stücke mit nach Frankreich zu nehmen.

Ihre Erlebnisse während des Kriegs hat sie in “Le Front de L’art” veröffentlicht, die 1964 in einem Film mit Burt Lancaster, The Train, verarbeitet wurden.

Rose Vallands Einsatz blieb trotz zahlreicher Ehrungen direkt nach dem Krieg weitgehend unbekannt und so starb sie 1980 recht anonym. In ihrer Heimatstadt Saint-Etienne-de-Saint-Geoirs kümmert sich allerdings heute die Association de la Memorie de Rose Valland um ihr Andenken.

Edith Standen und Rose Valland beaufsichtigen einen Transport im CCP Wiesbaden (c) Archives of American Art

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2 Gedanken zu “„Monuments Woman“: Rose Valland

  1. Pingback: Wahre Helden – die echten Monuments Men | Tanja Bernsau

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