Aachen – Die Jagd nach dem Domschatz

Karlsbüste in der Aachener Domschatzkammer.

Auch für die Stadt Aachen waren die Monuments Men aktiv. George Stout fand 1945 unter anderem den Aachener Domschatz, ausgelagert in der Kupfermine von Siegen.

Schöne Bilder dazu zeigt der Beitrag in der WDR Lokalzeit:

Wie ging es von Siegen aus weiter?

Von Siegen aus wurden die Kunstwerke nach Marburg gebracht. Dort war eine kleinere Sammelstelle in den modernen Gebäuden des Staatsarchivs an der Marburger Universität eingerichtet. Dieses Gebäude hatte zwar auch unter den Bombenabwürfen gelitten, aber es war vor dem Krieg das zweitgrößte Archivgebäude in Deutschland und feuerfest. Dort wurden unter der Leitung von Captain Walker Hancock insgesamt 3.457 Kunstwerke gelagert und betreut. Hancock sah sich vor die schwierige Aufgabe gestellt, das Gebäude des Staatsarchivs soweit wiederherzustellen, dass es Kunstwerke beherbergen konnte. Trotz kriegsbedingter Knappheit an Materialien wie Fensterglas und geeignetem Personal gelang es Hancock innerhalb von einer Woche nach der ersten Inaugenscheinnahme des Gebäudes soweit ausreichende Wiederherstellungsmaßnahmen durchzuführen, dass die erste Lieferung von Kunstgegenständen aus Siegen eintreffen und verwahrt werden konnte.

„Five month later the Staatsarchiv had become what we considered a ‚model‘ collecting point, its walls and roof repaired, glass in all the windows, heating system functioning, a supply of coal on hand, all openings on the ground floor protected with iron grilles, and an impressive guard of American soldiers and German police.“(Hancock (1946): Experiences of a monuments officer, S. 308)

Da geeignetes deutsches Personal für das Ausladen der Lastwagen nicht verfügbar war, setzte Hancock zunächst Gefangene aus dem örtlichen Gefängnis für diese Aufgabe ein, was sich allerdings als Dauerlösung als wenig effektiv erwies, da diese unterernährten Arbeitskräfte dieser Aufgabe physisch kaum gewachsen waren. Der Einsatz von amerikanischen Soldaten für das Ausladen der LKWs mit Kunstwerken widersprach den Vorschriften. Bald darauf gelang es Hancock glücklicherweise, eine dauerhafte Crew an deutschen Arbeitern zusammenstellen. Zusätzlich wurden Mitarbeiter des örtlichen Kunsthistorischen Instituts eingesetzt, um Fotografien und Inventare zu erstellen.

Die in Marburg eingelagerten Kunstwerke waren ausschließlich aus deutschem Besitz. 766 Kunstgegenstände (Gemälde, Skulpturen und Dekorative Kunst) aus dem Rheinland, die in der Kupfermine in Siegen aufgefunden worden waren, fanden ihren Weg nach Marburg. Auch der Kathedralschatz von Aachen wurde nach seinem Auffinden in diesen CCP transportiert.

Walker Hancock bereiste die umliegenden Auslagerungsstätten und verbrachte die meisten der dort aufgefundenen Inhalte nach Marburg. Eine Ausnahme stellt dabei der Fund aus Bad Wildungen dar. In den beiden Bunkern fand das Aufklärungsteam um Walker Hancock so günstige Lagerungsbedingungen vor, dass sie beschlossen, die dort vorhandenen Kunstgegenstände vor Ort zu belassen.

Die eingelagerten Kunstwerke fanden allesamt ihren Weg zurück in die deutschen Sammlungen. Auch Aachener Domschatz wurde vollständig zurückgegeben. Der Marburger CCP beendete seine Tätigkeit bereits am 19. August 1946 mit der feierlichen Überführung der Leichname von Friedrich dem Großen, Friedrich Wilhelm I. von Preußen sowie von Reichspräsident Paul von Hindenburg und seiner Frau in die Marburger Elisabethkirche, wo sie nach kriegsbedingter Auslagerung in der Salzmine ihre letzte Ruhestätte fanden.

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3 Gedanken zu “Aachen – Die Jagd nach dem Domschatz

  1. Pingback: “Er hatte so gar nichts Militärisches an sich” – Spurensuche nach Walker Hancock in Marburg | Dr. Tanja Bernsau

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