Entscheidung im Restitutionsfall „Welfenschatz“

Kuppelreliquiar, Ende 12. Jh. (Bildquelle: dpa)

In dieser Woche hat die Limbach-Kommission ihre Einschätzung des Restitutionsfalls Welfenschatz mitgeteilt. Über die Hintergründe des Welfenschatzes habe ich schon vor einiger Zeit geschrieben (Restitutionsfall Welfenschatz – Wem gehört die Reliquiensammlung des Braunschweiger Doms?). Was ist das Ergebnis?

Die Beratende Kommission unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Limbach wurde 2012  zur Vermittlung zwischen den beiden Parteien eingeschaltet und teilte nun am 20.03. mit, dass ihrer Meinung nach der Welfenschatz in Deutschland bleiben müsse. Ihrer Ansicht nach habe der Verkauf der einzelnen Teile des Welfenschatzes nicht unter Zwang stattgefunden. Statt dessen seien diese Weiterverkäufe durch das jüdische Konsortium vor allem in die Vereinigten Staaten Teil des Kaufvertrags mit dem Fürstenhaus Braunschweig-Lüneburg gewesen. Der Fürst hatte die Sammlung aus einer finanziellen Notlage heraus zum Verkauf angeboten und sollte ab einer gewissen Gewinnmarge an dem erzielten Gewinn aus den Weiterverkäufen beteiligt werden. Die Veräußerungen in den 1930er Jahren waren also nicht aus Gründen jüdischer Verfolgung erfolgt, sondern seit dem Ankauf geplant. Lediglich für 42 Einzelstücke konnte aufgrund der einsetzenden Wirtschaftskrise der Weiterverkauf nicht mehr erfolgen. Sie wurden als Konvolut im Jahre 1935 vom preußischen Staat angekauft. Diese Werke sind heute der Streitgegenstand.

Die Limbach-Kommission kam in ihrer Untersuchung ferner zu dem Ergebnis, dass der vereinbarte Kaufpreis zwar unter dem Einkaufspreis von 1929 lag, dies aber der Weltwirtschaftskrise zuzuschreiben sei. Es gäbe keine Anhaltspunkte, dass das jüdische Konsortium über diesen Wert nicht frei verfügen konnten. Deshalb kommt sie zu dem Schluss, dass es sich beim Verkauf des Welfenschatzes an Deutschland nicht um einen verfolgungsbedingten Zwangsverkauf handelt und kann die Rückgabe an die Erben des jüdischen Konsortiums nicht empfehlen.

Diese Empfehlung der Limbach-Kommission stellt allerdings kein rechtliches bindendes Urteil dar, sondern nur die Einschätzung eines unabhängigen Gremiums. Nun bleibt es abzuwarten, wie die Beteiligten auf diese Entscheidung reagieren werden. 

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Ein Gedanke zu “Entscheidung im Restitutionsfall „Welfenschatz“

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