Gerettete Kunst – Zeitgenossen über die Monuments Men

Monuments Men mit Dürer Zeichnungenenglisch_50x33Das meiste, was wir heute über die Monuments Men wissen, stammt aus deren eigenen Biographien sowie aus dem Quellenmaterial aus den amerikanischen Archiven.

Obwohl sie in den deutschen Museen während der Besatzungszeit durchaus sehr präsent waren, waren sie der zeitgenössischen deutschsprachigen Presse nicht erwähnenswert. Als die Presse noch unter der Überwachung der Alliierten stand, erschien am 8. August 1945, 3 Monate nach Kriegsende, in der Allgemeinen Zeitung ein Artikel über die Kunstschützer, der bereits erstaunlich klar auch die Ursachen für ihren Einsatz beschreibt. Interessanterweise ist der Artikel, wenngleich er auch aus amerikanischer Feder stammen mag, relativ frei von dem Pathos, mit dem die Arbeit der Monuments später gerne als Heldentat verklärt wird. Der Verfasser beschreibt die Auslagerung der Kunstschätze in mehr als 800 Depots  wie Bergwerken, Bunker, abgelegene Herrenhäuser etc. – es wird sich am Ende der Besatzungszeit herausstellen, dass es noch einige mehr gewesen sind. Er beschreibt weiter die unterschiedliche Vorgehensweise der Deutschen bei ihren Kunstraubzügen: Während in den östlichen Eroberungsgebieten nur wenige Kunstwerke, wie der Veit Stoß-Altar aus Krakau, auch als solche anerkannt wurden und der Rest der Zerstörung anheim fiel, wurden die Kunstwerke in Frankreich oder den Niederlanden hoch geschätzt. Einer Aussage des Artikels kann ich jedoch nicht zustimmen:

„Die Wehrmacht hatte weder genügend Zeit noch Transportmittel, um bei ihrem Rückzug aus Westeuropa die geborgenen Kunstschätze mitzuschleppen. So erklärt es sich, daß die Mona Lisa, die Venus von Milo und die Nike heute wieder im Louvre von Kunstliebhabern bewundert werden können.“

Zum einen war die Wehrmacht nicht die Institution, die sich um die Kunstgegenstände kümmerte. Gemeint ist hier wohl eher die Institution des „Kunstschutzes„, die gegen Kriegsende zunehmend an Einfluss gegenüber den anderen Kunsträubern, wie dem Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg oder auch Hitlers und Görings Kunst-Einkäufer verlor. Zudem blieben die staatlichen Kunstsammlungen in den westlichen Besatzungsländern zunächst außen vor. Leichter bedienen konnten sich die NS-Kunst“käufer“ an den vielen ‚herrenlos‘ gewordenen Sammlungen der jüdischen Mitbürger. So fielen den Monuments Men nach Kriegsende die bedeutenden Sammlungen etwa der Familien Rothschild oder David Weill in die Hände.

All diese Kunstwerke, die ausgelagerten aus den deutschen Sammlungen wie auch die Raub- und Beutekunstwerke aus Deutschland und den besetzten Gebieten, trugen die Kunstschutzoffiziere in Central Collecting Points in Wiesbaden, München, Marburg und Offenbach zusammen und bemühten sich um eine Rückverteilung an ihre rechtmäßigen Eigentümer. Vor allem die juristisch einwandfrei als deutsches Eigentum anzusehenden Kunstwerke standen damals noch zur Reparationszwecken zur Diskussion – oder aber als Ersatz für einzelne verloren gegangene Kunstwerke der Kriegsgegner, als sogenannte Restitution-in-Kind. Dieses Verfahren hat sich jedoch nicht durchgesetzt.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s