Die ambivalente Rolle der NS-Kunsthändler im Dritten Reich – Lehrauftrag an der Uni Gießen

logo uni gießenIm Wintersemester werde ich eine Lehrveranstaltung am Kunstgeschichtlichen Institut der Universität Gießen halten. Dabei werde ich mich mit meinen StudentInnen mit der Rolle der Kunsthändler während der NS-Zeit beschäftigen.

 „… stets ein kompromissloser Gegner des Nationalsozialismus“

Freund oder Feind der Kunst? Karl Haberstock, Bernhard Böhmer oder Hildebrand Gurlitt – die Händler, die Kunstgegenstände für Hitler „beschafft“ haben, sind in ihrer Rolle nicht leicht zu fassen. Sie waren in der Regel gut vernetzt, sowohl im Kunstmarkt wie auch innerhalb der NS-Kunstraub-Maschinerie. Der Handel und die Vermittlung von Kunstwerken für die NS-Führungsriege hat sich finanziell für sie ausgezahlt. Unzählige meist jüdische Mitbürger sind durch ihr Handeln um ihre Sammlungen gebracht worden. Und doch konnten viele von ihnen – nur als Mitläufer eingestuft – auch nach dem Krieg wieder erfolgreich im Kunsthandel tätig sein. Wie war das möglich? In den Verhören der Alliierten gelang es ihnen, ihren Anteil am Kunstraub der Nationalsozialisten herunterzuspielen und stattdessen hervorzuheben, welcher Gefahr sie sich ausgesetzt haben, als sie sich für jüdische Sammler und verfemte Künstler eingesetzt haben. Das hatte sie bereits in der NS-Zeit angreifbar gemacht: Hildebrand Gurlitt etwa war zu einem Teil jüdischer Abstammung und hatte aus diesem Grund seine Position als Direktor des Stadtmuseums Zwickau verloren. Er war ein Verfechter der Entarteten Kunst und auch in dieser Rolle Anfeindungen ausgesetzt. Gleichzeitig setzte er sich für jüdische Künstler und Mitbürger ein. Diese ambivalente Rolle – gleichzeitig Nutznießer und Gegner des Regimes zu sein – findet sich bei zahlreichen Kunsthändlern dieser Zeit. Die Übung soll diese Personen und ausgewählte Kunstsammlungen beleuchten, um zu einem besseren Verständnis des Kunsthandels während der NS-Zeit zu gelangen – für die Provenienzforschung unabdingbar.

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Ein Gedanke zu “Die ambivalente Rolle der NS-Kunsthändler im Dritten Reich – Lehrauftrag an der Uni Gießen

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