Weite Sicht

2014-09-14 11.37.38So lautete das Motto des diesjährigen Tag des Offenen Denkmals am Schläferskopf in der Nähe von Wiesbaden. Und diese weite Sicht hat man in der Tat vom Kaiser-Wilhelm-Gedenkturm aus – selbst bei schlechtem Wetter. Zwar war auch zum Tag des offenen Denkmals der Turm noch nicht wieder zugänglich – er ist seit den späten 1990er Jahren wegen Baufälligkeit geschlossen – aber für glückliche Gewinner der von der Stabsstelle Kulturerbe der Stadt Wiesbaden veranstalteten Losaktion bot sich auf einem Feuerwehr-Leiterwagen ein ebenso grandioser Ausblick wie von der Turmspitze aus.

Auf dem 454 m hoch gelegenen Schläferskopf im Taunus – er verdankt seinen Namen den in der Umgebung heimischen Siebenschläfern – erfreute man sich dieser Aussicht bereits zu Kaisers Zeiten. Schon 1883 wurde ein 14 m hoher hölzerner Aussichtsturm vom „Taunus-Club“ errichtet, der allerdings bereits im Jahr 1900 baufällig war und abgerissen werden musste. Schon im Jahr darauf begann der Wiesbadener Verschönerungsverein mit den Plänen für einen Neubau eines Aussichtsturms, diesmal aber aus massiven Steinen. Im Jahr 1905 erfolgte die Grundsteinlegung und bereits ein Jahr darauf konnte der Turm eingeweiht werden.

Bildquelle: WikipediaErbaut zu Ehren des Deutschen Kaisers Wilhelm II. wurde dies ermöglicht durch beinahe 1000 Spender aus der Umgebung. Er wurde nach den Plänen des Architekten Ludwig Euler aus lokalen Bruchsteinen (Taunusquarzit) und Basaltlava errichtet. Außergewöhnlich ist die doppelläufige Spiraltreppe in seinem Inneren, die einen getrennten Auf- und Abstieg ermöglicht. Der Turm ist in seiner Form und seiner Steinsichtigkeit einem mittelalterlichen Burgfried nachempfunden (oder dem, was man damals als mittelalterlich empfand) und steht damit ganz in der Tradition des Historismus und der Burgenromantik des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Noch heute kann man die Gedächtnistafel für seinen Namenspatron lesen: „Nach Kaiser Wilhelm bin ich benannt/Ich schaue weit ins deutsche Land/Und deutscher Sinn bracht mich zustand!“.

Es dauerte aber noch beinahe ein weiteres Jahr, bis Kaiser Wilhelm am 17. Mai 1907 „seinen“ Turm auch besuchte. Hatte der Turm zunächst nur einen Schutz- und Erfrischungsraum, folgte im Jahr 1908 noch ein Restaurationsgebäude (ebenfalls von Ludwig Euler entworfen), das noch heute mit seinen wunderschönen Jugendstilfenstern als Café und Restaurant betrieben wird. Von der Terrasse genießt man ebenfalls einen wunderbaren Blick ins Land. Im Jagdzimmer des Restaurants befindet sich ein aus der Erbauungszeit stammendes Gemälde des Wiesbadener Malers Wilhelm Rücker, das den Kaiser Wilhelm und seine Frau Auguste Viktoria mitsamt ihrem Gefolge auf der Jagd zeigt.

Seit 1950 befindet sich der Turm im Besitz der Stadt Wiesbaden, die das Restaurant an unterschiedliche Gastwirte verpachtet hatte. Seit 1998 ist der Tum geschlossen, da auch an ihm der Zahn der Zeit genagt hat. Anders als die „echten“ mittelalterlichen Burgen wurde dieses Gebäude – damals hochmodern – mit Stahlbeton errichtet. An vielen Stellen ist der Stahl jedoch mittlerweile so stark rostzerfressen, dass beispielsweise die Treppen nicht mehr gefahrlos bestiegen werden können.

All das soll nun saniert werden, so dass das Wiesbadener Ortskuratorium für Denkmalschutz hofft, dass beim nächsten Tag des offenen Denkmals im Jahr 2015 der Turm wieder bestiegen werden kann. Zu wünschen wäre es, denn der Ausblick von dort oben ist wirklich atemberaubend:


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