Woman in Gold – Erneut ein Kunstkrimi als Hollywood-Blockbuster

Gustav Klimt: Adele Bloch-Bauer, 1907

Gustav Klimt: Adele Bloch-Bauer I, 1907 (Bildquelle: Wikipedia)

englisch_50x33Wieder wurde eine Kunstraub-Geschichte in einem Hollywood Film umgesetzt. „Woman in Gold“ handelt vom Restitutionsfall um das Gemälde „Adele Bloch-Bauer“ von Gustav Klimt, das lange Jahre als wertvolles österreichisches Kulturgut im Wiener Belvedere zu sehen war. Im Film verkörpert Helen Mirren die in den Vereinigten Staaten lebende Maria Altmann, die Nichte von Adele Bloch-Bauer, die diesen Besitz nun zurückfordert. In Rückblenden erzählt der Film, wie die Familie von den Nationalsozialisten verfolgt und wie ihnen ihr Besitz geraubt wurde. In der Gegenwart suchen Maria Altmann und ihr Rechtsanwalt nach Beweisen für den ehemaligen Besitz und erstreiten sich das Eigentum des Bildnisses ihrer Tante. Schöne Bilder gewoben um eine Detektiv-Geschichte, die das Leben schrieb – und wie sie Provenienzforschern tagtäglich unterkommt. 

Den Restitutionsfall um die „Gold-Adele“, das Klimt-Gemälde von Adele-Bloch-Bauer im Stile des Art Nouveau aus dem Jahre 1907, hat es tatsächlich gegeben. Die Familie Bloch-Bauer war eine wohlhabende, jüdische Familie in Wien, die sich sehr um das kulturelle Leben der Stadt bemühte. Gustav Klimt porträtierte Adele gleich zweimal, beide Gemälde wurden von den Bloch-Bauers erworben. Das Ehepaar blieb kinderlos und so erbte der Ehemann Ferdinand die Kunstwerke nach Adeles Tod im Jahre 1925.

Der Familie wurde nach 1938, dem Anschluss Österreich, das Leben in Wien zunehmend erschwert. Ferdinand floh in die Schweiz, sein Besitz wurde konfisziert, sein Unternehmen arisiert. Unter den beschlagnahmten Kunstwerken befand sich auch die Gold-Adele, die an die Österreichische Staatsgalerie veräußert wurde (zur Begleichung der Steuerschulden, die man dem geflüchteten Bloch-Bauer auferlegt hatte). Nach dem Krieg forderte Ferdinand Bloch-Bauer die enteignete Kunstsammlung zurück. Bereits 1948 einigte sich der Österreichische Staat mit den Erben darauf, dass einige Gemälde in Österreich bleiben durften und erteilte im Gegenzug die Genehmigung zur Ausfuhr der übrigen Gemälde, die – eingestuft als national wertvolles Kulturgut – das Land nicht hätten verlassen dürfen. Die Familie – Ferdinand, seine Nichten und weitere Familienmitglieder – emigrierten in die USA.

Im Zuge der Washingtoner Erklärung verpflichtete sich Österreich zur Provenienzprüfung der staatlichen Sammlungen. 1998 stellte Maria Altmann, die Nichte und Miterbin der Bloch-Bauers, einen Antrag auf Restitution von 5 Klimt-Gemälden, die allesamt in der Wiener Galerie Belvedere hingen. Zunächst wurde diese Antrag abschlägig beschieden, da Adele in ihrem Testament die Kunstwerke testamentarisch der Österreichischen Staatsgalerie vermacht habe. Es folgte ein mehrere Jahre andauernder Rechtsstreit, in dem Maria Altmann in Los Angeles Klage gegen den Österreichischen Staat erhob. Im Januar 2006 einigte man sich in einem außergerichtlichen Schiedsgerichtsverfahren auf die Herausgabe der 5 Gemälde an Altmann, da das Testament keinen Eigentumsanspruch des Belvedere begründe. Mitte 2006 wurden diese Kunstwerke in die USA überführt. Damit war die „österreichische Mona Lisa“ als nationales Kulturgut außer Landes gebracht.

Maria Altmann, 2010 (Bildquelle: Wikipedia)

Maria Altmann, 2010 (Bildquelle: Wikipedia)

Was zumindest der Trailer zum Film verschweigt: Helen Mirren alias Maria Altmann betont mehrfach, dass sie eine Wiedervereinigung mit ihrer Tante wünsche, dass die Erinnerung an die geliebte Dargestellte den Wunsch auslöste, dieses Kunstwerk und die anderen zurückzufordern. Das mag auch vielleicht der Auslöser für diesen aufwändigen Rechtsstreit gewesen sein. Aber bereits im Juni 2006 stand die „Gold-Adele“ zum Verkauf und wurde unter größter Medienaufmerksamkeit für den rekordverdächtigen Preis von 135 Millionen US-Dollar an den New Yorker Kunstsammler Ronald S. Lauder verkauft. Lauder integrierte dieses Bild in seine Privatsammlung, die glücklicherweise als „Neue Galerie“ in Manhattan öffentlich zugänglich ist.

Die Wiedervereinigung des Porträts von Adele Bloch-Bauer mit ihrer Nichte Maria Altmann war nur von kurzer Dauer.

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2 Gedanken zu “Woman in Gold – Erneut ein Kunstkrimi als Hollywood-Blockbuster

  1. Offensichtlich können also auch Farbfilme aus Hollywood „schwarz-weisse“ Bilder vermitteln: „So erbte der Ehemann Ferdinand die Kunstwerke nach Adeles Tod im Jahre 1925“ liest sich in Adeles Testament z. B.. so: „Meine 2 Porträts und die 4 Landschaften von Gustav Klimt, bitte ich meinen Ehegatten nach seinem Tode der österr. Staats-Galerie in Wien (…) zu hinterlassen.“

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  2. Pingback: Update im Restitutionsfall “Welfenschatz” | Dr. Tanja Bernsau

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