Update im Restitutionsfall „Welfenschatz“

Kuppelreliquiar aus dem Welfenschatz, Ende 12. Jahrhundert (Bildquelle: Wikipedia)

Kuppelreliquiar aus dem Welfenschatz, Ende 12. Jahrhundert (Bildquelle: Wikipedia)

Wie heute verkündet wurde, geht der Restitutionsfall „Welfenschatz“ in die nächste Runde. Über die Hintergründe hatte ich bereits auf diesem Blog berichtet (am 01.02.2014 und 22.03.2014). Zuletzt kam die Limbach-Kommission zu dem Ergebnis, dass der Welfenschatz nicht als von seinen jüdischen Eigentümern verfolgungsbedingt entzogen anzusehen sei. Die Antragsteller hatten angeführt, dass der Verkauf an Hermann Göring unter Zwang und vor allem weit unter Wert von statten gegangen sei. Dies hatte die Limbach-Kommission anders beurteilt und sich gegen eine Rückgabe ausgesprochen. Diese Entscheidung ist nun beinahe ein Jahr alt – jetzt wird der Fall neu aufgerollt.

Amerikanischen Schätzungen zufolge beläuft sich der Wert der Streitsache auf $ 276 Millionen. Ein Wert, den deutsche Museen natürlich nicht kampflos aufgeben (zumal es wertvolles Kulturgut darstellt). Gleichzeitig aber auch ein Wert, der den Fall für Rechtsanwälte spannend macht. Im Fall des „Welfenschatz“ wurde nun der amerikanische Anwalt Nicholas O’Donnell, Partner bei Sullivan & Worcester LLP, eingeschaltet, der im Auftrag der Antragsteller Alan Philipp und Gerald Stiebel gestern am US District Court in Washington Klage gegen die deutsche Regierung eingerichtet. Dieses Vorgehen, nicht in Deutschland einen Rechtsprozess gegen die besitzende Institution anzustreben, sondern juristisch auf Staatsebene zu agieren, hat bereits im Fall der „Gold-Adele“ zu Erfolg geführt. O’Donnell, seit Jahren als Anwalt in Restitutionsfällen tätig, zweifelt die Entscheidung der Limbach-Kommission von März letzten Jahres an und bemängelt besonders die Geschwindigkeit im Umgang mit Restitutionsfällen in Deutschland. Nun wird der Fall vermutlich vor Gericht verhandelt werden.

vgl. auch http://news.artnet.com/art-world/claimants-to-276-million-guelph-treasure-once-gifted-to-hitler-sue-german-state-266315?utm_campaign=artnetnews&utm_source=022415daily&utm_medium=email

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4 Gedanken zu “Update im Restitutionsfall „Welfenschatz“

  1. Der Fall der „Goldenen Adele“ (richtig: die Restitutionsforderung nach 6 Gemälden von Gustav Klimt aus dem Voreigentum von Adele und Ferdinand Bloch-Bauer) wurde nicht von einem U.S.-Gericht, sondern von einem österreichischen Schiedsgericht entschieden.

    Der U.S. Supreme court entschied damals nur, dass der „Foreign Staates Immunity Act“ rückwirkend angewendet werden könne.

    Auf den ersten Blick sehen die Fälle „Welfenschatz“ und „Bloch-Bauer“ doch recht verschieden aus.

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    • Da haben Sie völlig recht, die Entscheidung wurde letztlich vor einem Schiedsgericht gefällt. Die Klage USA gegen Österreich war jedoch bereits eingereicht. Denkbar wäre es auch hier, dass man sich, auch um keinen Präzedenzfall zu genieren, hier im Rahmen eines Schiedsgerichtsverfahren einigen wird.

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  2. Ich bin sehr gespannt, welche Entscheidungen im Streitfall getroffen werden. Gerade vor zwei Monaten war ich im wiedereröffneten Kunstgewerbemuseum und habe mir den Schatz angeschaut. Es wäre schade, wenn sich Berlin von den Stücken trennen müßte. Verständlich ist es, dass die Erben der Kunsthändler klagen.

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  3. Ja, das bleibt spannend. In der Regel haben beide Parteien ein Interesse daran, ihre Rechtsansprüche durchzusetzen. Hier sprechen wir neben der Tatsache, dass es national bedeutsames Kulturgut ist, auch noch von einem hohen monetären Wert, dessen Verlust das Berliner Museum vermeiden möchte. In einigen Fällen ist es in den Verhandlungen gelungen, die Kunstwerke durch eine Entschädigung oder der Kennzeichnung als Dauerleihgabe im betreffenden Museum zu behalten. Ob das auch hier möglich sein wird, ist fraglich. Ich werde hier weiter darüber berichten!

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