Ersessene Kunst – der Fall Gurlitt

Buchtipp

978-3-86331-229-9Im Juni 2015 ist ein Buch im Metropol-Verlag erschienen, das ausschließlich dem „Fall Gurlitt“ gewidmet ist.
Darin widmen sich verschiedene internationale Autoren unterschiedlichen Aspekten des Falls und der Thematik Provenienzforschung im Allgemeinen.

Zunächst stellt Provenienzforscherin Katja Terlau die Person Hildebrand Gurlitt und seinen Wirkungskreis  in der NS-Zeit vor. Die Publikation ist die Zusammenstellung der Beiträge eines Symposiums der Uni Heidelberg vom Januar 2014, der allerdings erst jetzt zur Veröffentlichung kommen konnte.

Götz Aly (Politikwissenschaftler, Historiker und Journalist) beschreibt „Hitlers elegante Räuber“ und damit die Institutionalisierug des Kunstraubs durch die Nationalsozialisten.

Annette Weber, Professorin für jüdische Kunst und Kultur in Heidelberg erläutert das Kunstbedürfnis und die Verantwortung. Dabei stellt sie unter anderem den Restitutionsfall von Marc Chagalls „Allegorische Szene“ aus dem Gurlitt-Fund vor.

Lucas Elmenhorst schließt mit seinen Ausführungen über die Causa Gurlitt aus juristischer Sicht an und liefert wertvolle grundlegende Einblicke in die rechtlichen Rahmenbedingungen der Themen Raub- und Beutekunst und des heutigen Umgangs damit.

Ihm folgt Wolfgang Ernsts Vorschlag zu „neuen Rahmenbedingungen für die Kunstrestitution in Deutschland“, ebenfalls aus juristischer Perspektive.

Politikwissenschaftler Julius H. Schoeps fragt nach den Chancen für Erben in Deutschland.

Die Leiterin der Gurlitt-Taskforce Ingeborg Berggreen-Merkel wiederum widmet sich dem Fall Gurlitt und seinen möglichen Auswirkungen auf die Provenienzforschung. Auch sie befasst sich darin mit der Gründung und den Aufgaben des Deutschen Zentrums für Kulturgutverluste als eines der deutlichsten Maßnahmen, die durch den Fall Gurlitt ermöglicht bzw. beschleunigt wurden.

Felicitas Heimann-Jelinek (Judaistik und Kunstgeschichte) stellt die besondere Problematik der Provenienzforschung im Bereich jüdischer Zeremonialobjekte dar.

Anschließend erläutert Jim G. Tobias, Historiker und Journalist die Eigentumsfrage der „Stürmer-Bibliothek“ nach 1945.

Ein weiteres Fallbeispiel schildert Anat Feinberg, Professorin für Englische Literatur mit Claudius Kraushaar.

Die Sichtweise der US-Amerikaner bringt der amerikanische Rechts- und Restitutionsexperte Nicholas M. O’Donnell ein, der einige in den USA verhandelte Fälle vorstellt und die getroffenen Entscheidungen erläutert.

Die russische Historikerin Irina Alter hingegen beleuchtet den Fall mit russischen Augen.

Zum Abschluss analysiert Emily Löffler (Promotionsprojekt zum Kulturgüterschutz in der französischen und amerikanischen Besatzungszone) das Medienereignis, das durch diesen Fall ausgelöst wurde.

Zusammengefasst bietet dieses Buch, bei aller Kürze, eine recht vielfältige, interdisziplinäre Sichtweise auf das Thema, und auch wenn es sich inhaltlich, durch das übergreifende Thema, überschneidet und häufig wiederholt, ist es doch ein echter Lesetipp!

 

978-3-86331-229-9Johannes Heil · Annette Weber (Hrsg.): Ersessene Kunst – Der Fall Gurlitt

ISBN: 978-3-86331-229-9
240 Seiten · 19,00 Euro

Juni 2015

 

Klappentext: Der Fall Gurlitt war über den Skandal hinaus auch Symptom für den bis heute ungenügenden Umgang mit den Folgen des NS-Kunstraubs. Die Beiträge des Bandes, die auf eine Tagung in Heidelberg vom Januar 2014 zurückgehen, erhellen die Geschichte der Sammlung Gurlitt und befassen sich mit Kunsthandel und Museumspraxis vor und nach 1945. Sie verhandeln rechtliche und ethische Dimensionen des „Schwabinger Kunstfundes“, seine Bedeutung für die Provenienzforschung und die Restituierungspraxis im Kontext des deutschen und internationalen Rechts.

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