Für mehr Transparenz im Kunstmarkt

 Provenienzforschung

Kürzlich las ich einen Artikel in der Zeit zum Thema Provenienzforschung im Auktionshandel. Vorgestellt wurden darin die Bemühungen des Auktionshauses Neumeister München um die Aufarbeitung seiner Geschichte.  Katrin Stoll, heutige Inhaberin des Hauses, ließ drei Jahre lang die Geschichte ihres Unternehmens, das ihr Vater Rudolf Neumeister im Jahr 1958 von Adolf Weinmüller übernommen hatte, von einer externen Provenienzforscherin untersuchen. Weinmüller hatte während der NS-Zeit gute Geschäfte durch die „Arisierung“ von Kunsthandlungen gemacht, so dass in der Aufarbeitung die Zeit zwischen 1933 und 1945 im Mittelpunkt des Interesses stand. *)

Aber auch nach Abschluss des Forschungsprojekts geht Stoll sehr offensiv mit der Frage der Herkunftsgeschichte ihrer Handelsware um. „(…) ich möchte auf die Aufarbeitung nicht verzichten“, wird die Auktionatorin im Artikel zitiert. Eingelieferte Kunstwerke werden auf ihre Vergangenheit geprüft – und dies werde auch offen mit den Einlieferern kommuniziert.  Sicherlich nicht immer einfach, da stets die Gefahr besteht, dass der Kunde dann einem anderen Auktionshaus den Vorzug gibt. Mutig deshalb, sich zu diesem Schritt zu bekennen und vielleicht auch einmal ein Geschäft nicht abschließen zu können. Aber es können auf diesem Wege auch einige Forschungslücken geschlossen und längst überfällige Restitutionsverhandlungen in die Wege geleitet werden.

Katrin Stoll geht proaktiv mit diesem heiklen Thema um. Dass dies auch Vorteile bringt, die über die mögliche Rückgabe hinausgehen, zahlt sich vielleicht nicht direkt aus. Mittel- bis langfristig ist jedoch gerade dieser offene Umgang und die deutliche Kommunikation eine Botschaft, die auch bei den Kunden ankommt: Hier werden keine „krummen Geschäfte“ gemacht, hier wird die gebotene Sorgfaltspflicht eines Auktionators ernst genommen. Transparenz als Marketinginstrument, was sicherlich auch neue Kunden für Neumeister anziehen wird. Und hoffentlich auch Nachahmer im Kunstmarkt finden wird.

*) Sehr empfehlenswert die Publikation, die in diesem Forschungsprojekt, das mit Unterstützung des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München entstanden ist: Meike Hopp; Kunsthandel im Nationalsozialismus, 2012

Bildquelle: iStock

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