„Er hatte so gar nichts Militärisches an sich“ – Spurensuche nach Walker Hancock in Marburg

IMG_8569Am Freitag konnte ich die Gelegenheit wahrnehmen, mit den Studenten aus meiner Lehrveranstaltung an der Uni Gießen einen Ausflug ins benachbarte Marburg zu machen, um dort die Gebäude des ehemaligen Central Collecting Points zu besichtigen. Möglich gemacht wurde dies durch Marco Rasch, zurzeit tätig im Archiv der deutschen Jugendbewegung auf der Burg Ludwigstein, einer Außenstelle des Marburger Staatsarchivs, und einer der wenigen Menschen, der mit der Geschichte der Marburger Kunstsammelstelle vertraut ist. Weiterlesen

Hitlers Favoriten: Deutsche Kunst, ausgestellt von den amerikanischen Besatzern

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Carl Spitzweg: Der arme Poet, 1839, Neue Pinakothek (Bildquelle: Wikipedia)

Bereits während des Zweiten Weltkriegs formte sich eine anglo-amerikanische Kunstschutzorganisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, europäisches Kulturgut vor den Kriegseinwirkungen zu schützen. Die Geschichte dieser „Monuments Men“ wurde erst vor kurzem von George Clooney in einem Hollywoodfilm gewürdigt. Das Verdienst der Monuments Men hört aber mit Kriegsende nicht auf, im Gegenteil. Weiterlesen

Die Monuments Men in Wiesbaden – Hollywoods Helden im Landesmuseum 1945

Museum Wiesbaden 1946; (Bildquelle: James J. Rorimer papers, Archives of American Art, Smithsonian Institution)

In wenigen Tagen kann man deutschlandweit George Clooneys Verfilmung der „Monuments Men“ sehen, jener amerikanischen Kunstschutzeinheit, die sich gegen Ende des Zweiten Weltkriegs auf eine abenteuerliche Schatzsuche machte, um europäische Kulturgüter zu bewahren. Was in der Hollywood-Verfilmung nicht zur Geltung kommt: Die Geschichte der Monuments Men hört nicht mit dem Auffinden der Kunstwerke in den Salzbergwerken und anderen Auslagerungsstätten auf. Im Gegenteil – das wahre Verdienst dieser Kunstschutzoffiziere fängt gegen Kriegsende erst an. Und zwar auch hier vor Ort, in dem Gebäude des heutigen Landesmuseums Wiesbaden. Weiterlesen

Monuments Men – Wahre Helden oder nur ein großer Hype?

The Monuments Men Press Tour (© John Russo 2013)

The Monuments Men Press Tour (© John Russo 2013)

Es dauert nun nicht mehr lange bis die „Monuments Men“ in deutschen Kino zu sehen sind. George Clooney erzählt in diesem Hollywood-Blockbuster die Geschichte der amerikanischen Kunstschutzoffiziere, die sich gegen Ende des Zweiten Weltkriegs auf heldenhafte Kunstschatzsuche machten. Indiana Jones in Team-Work. Eine Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht. Erzählt natürlich aus einem amerikanischem Blickwinkel und mit entsprechendem Pathos, wie es sich für einen US-amerikanischen Kriegsfilm gehört. Aber wer waren die Monuments Men wirklich?
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Kunstraub oder Kunstschutz? Der Beutezug der amerikanischen Besatzer (1)

Teil 1: Der Central Collecting Point Wiesbaden erhält Besuch

Museum Wiesbaden 1946; (Bildquelle: James J. Rorimer papers, Archives of American Art, Smithsonian Institution)

Museum Wiesbaden 1946; (Bildquelle: James J. Rorimer papers, Archives of American Art, Smithsonian Institution)

Es ist kalt, an diesem Novembertag im Jahr 1945. Capt. Walter Farmer, Leiter des Wiesbadener Central Collecting Points Wiesbaden fröstelte, als er die Stufen zum Museumsgebäude emporstieg. Er war in Gedanken: Gestern war wieder ein Neuzugang im CCP eingetroffen. Kunstschutzoffizier Capt. Tregor hatte ihm ein Gemälde aus Berlin gebracht, das aus der Sammlung Goebbels stammte und damit im Verdacht stand, Nazi-Beutekunst zu sein. Das wollte er genauer unter die Lupe nehmen. Bisher hatte die Wiesbadener Sammelstelle hauptsächlich Werke der Berliner Museen aufgenommen, die gegen Ende des zweiten Weltkriegs in einem Salzbergwerk im thüringischen Merkers ausgelagert waren. Diese Kunstwerke hatten seine Armee-Kameraden von der Monuments, Fine Arts & Archive Section seit August 1945 in das Wiesbadener Museum gebracht, das Farmer seit dem Sommer in fieberhafte Eile zu einer Sammelstelle für die überall verstreuten ausgelagerten Kunstwerke ausgebaut hatte. Und nun war in seiner Sammelstelle wieder „Nazi-Loot“ eingegangen? Solche Fälle untersuchte Farmer gerne persönlich. Er schloss die schwere Eingangstür hinter sich und setzte seinen Weg ins Gemäldedepot fort. Weiterlesen

Die Geschichte des Fall Gurlitt – Interview mit dem heute journal

heute journal In der Mediathek findet sich nun auch mein Interview mit Christhard Läpple für das heute journal (Sendedatum: 04.12.2013). Der Beitrag zur Geschichte Gurlitt startet etwa bei Minute 25.

>>Hier geht’s direkt zum Gurlitt-Beitrag. 
heute journal screenshot

Restitutionen aus dem Wiesbadener Central Collecting Point

Hildebrand Gurlitt: Rechtmäßiger Eigentümer seiner in der NS-Zeit zusammengetragenen Kunstwerke? (Foto: Kunstsammlungen Zwickau)

Die Frage drängt sich auf, wieso die Amerikaner die Sammlung Gurlitt wieder an Hildebrand Gurlitt im Jahre 1950 zurückgegeben hat. Dazu muss man wissen, dass – anders als im Münchner Central Collecting Point – die Bestände des Wiesbadener CCPs nur zu einem kleinen Teil Raub- und Beutekunst gewesen sind. Der weitaus größere Teil der Bestände gehörte schon seit langer Zeit in deutsche Sammlungen, also bereits vor 1933.

Gleichzeitig muss man die Vielzahl der im Landesmuseum Wiesbaden, wo der CCP untergebracht war, berücksichtigen. Rund 700.000 Einzelstücke beherbergte das Haus in seiner Hoch-Zeit. Die wenigen militärischen und zivilen Mitarbeiter arbeiteten im Akkord, um dieser Menge an eingehenden Kunsttransporten Herr zu werden. Weiterlesen