Raubkunst wird mehr und mehr Politikum

Bündnis 90/Die Grünen setzen sich nun auch für das Thema Provenienzforschung ein. Ihr Antrag bereits aus dem November letzten Jahres „Provenienzforschung stärken – Bessere Rahmenbedingungen für einen angemessenen und fairen Umgang mit Kulturgutverlust schaffen“ begründet diese Forderung (online abrufbar), die nun in einer Plenarsitzung am 06.02.2015 diskutiert wurde. Als wesentliches Manko wird in diesem Antrag festgehalten, dass die Washingtoner Erklärung die öffentlichen Sammlungen zur Überprüfung ihrer Sammlungsbestände verpflichtet, die privaten Sammlungen von dieser Aufgabe jedoch ausnimmt. Der Fall Gurlitt hat gezeigt, dass aber durchaus auch Privatsammler von dieser Thematik betroffen ist.
Die Grünen fordern deshalb die Bundesregierung auf, auch für diesen Fall Prozeduren zu entwickeln. Gleichzeitig sehen auch sie den Engpass in der Forschung, der Zugänglichkeit von Archivalien und wünschen sich weitere Fördermittel, um die Möglichkeiten zu verbessern, die Herkunftsgeschichten der Kunstwerke zu ergründen.

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Bilder erzählen Geschichten

Bilder erzählen Geschichtenenglisch_50x33Ich werde häufig gefragt: Was ist eigentlich Provenienzforschung? Oder, tätigkeitsbezogen gefragt: Was genau macht eigentlich ein Provenienzforscher? Oder, sehr pragmatisch gedacht: Warum machst du das eigentlich?

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„Er hatte so gar nichts Militärisches an sich“ – Spurensuche nach Walker Hancock in Marburg

IMG_8569Am Freitag konnte ich die Gelegenheit wahrnehmen, mit den Studenten aus meiner Lehrveranstaltung an der Uni Gießen einen Ausflug ins benachbarte Marburg zu machen, um dort die Gebäude des ehemaligen Central Collecting Points zu besichtigen. Möglich gemacht wurde dies durch Marco Rasch, zurzeit tätig im Archiv der deutschen Jugendbewegung auf der Burg Ludwigstein, einer Außenstelle des Marburger Staatsarchivs, und einer der wenigen Menschen, der mit der Geschichte der Marburger Kunstsammelstelle vertraut ist. Weiterlesen

Veranstaltungstipp: „Der Fall Gurlitt – Was hat die Kunstgeschichte daraus gelernt?“

der-fall-gurlitt-titel-600 Am kommenden Freitag veranstaltet der Verband Deutscher Kunsthistoriker eine interessante Podiumsdiskussion, in der die Frage aufgeworfen wird, wie die Kunstgeschichte in Zukunft mit diesem Thema umgehen sollte. Vor allem die universitäre Lehre ist gefragt, denn noch immer spielt Provenienzforschung in der Ausbildung des kunsthistorischen Nachwuchses eine nur untergeordnete Rolle. An dieser Diskussion werde ich mich gerne beteiligen – ich bin auf jeden Fall am Freitag in Bonn!

 

>> Weitere Infos direkt beim Veranstalter

 

Hier noch das Video zur Veranstaltung:

Quo Vadis Provenienzforschung?

In der vergangenen Woche hat sich der Ausschuss  für Kultur und Medien des Deutschen Bundestags mit der Frage auseinandergesetzt, wie zukünftig mit der Frage NS-Raubkunst und ihrer Restitution umzugehen sei. Sollten die Verjährungsfristen verlängert werden? Die Experten haben sich dagegen ausgesprochen, um die damit erreichte Rechtssicherheit nicht zu gefährden. Eine Rückgabe aus moralischen Gründen, ganz im Sinne der Washingtoner Erklärung, die Suche nach fairen und gerechten Lösungen,  bleibt das Mittel der Wahl. Dabei blickt man zunehmend auf die Praxis in Österreich: Dort ermächtigt ein Kunstrückgabegesetz staatliche Museen, geraubte Kunstgegenstände eigenständig zurückzugeben, ohne dass deswegen strafrechtliche oder haushaltsrechtliche Vorwürfe gegen sie erhoben werden können

 

Text der Pressemitteilung

Podiumsdiskussion zum Fall Gurlitt

Der Fall GurlitWas hat die Kunstgeschichte daraus gelernt? Diese Frage stellt und beantwortet eine Podiumsdiskussion des Verbands Deutscher Kunsthistoriker am 04.07. in Bonn, u.a. mit Stefan Koldehoff. Nicht verpassen! Weitere Infos auf der Website des Verbands.

#ProProvenienzforschung – Ein Plädoyer für mehr Provenienzforschung an Universitäten

ProProvenienzforschungDie aktuelle Debatte um den Fall Gurlitt zeigt, dass das Thema des NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts (NS-Raubkunst) bzw. kriegsbedingt verbrachten Kulturguts (Beutekunst) noch lange nicht abgeschlossen ist. Die Datenbank „Lost Art“ der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste listet zahllose Suchmeldungen auf, Kunstwerke meist jüdischer Provenienz, die seit der NS-Zeit verschollen sind. Noch immer erwarten die Museen Rückforderungsanträge auf Kunstwerke, die den Eltern und Großeltern der Antragssteller in der NS-Zeit „verfolgungsbedingt entzogen“ wurden. Die ehemaligen Eigentümer wurden zu Opfern des Holocausts, ihre Besitztümer kamen auf mehr oder weniger direkten Weg in Museen, in den Kunsthandel und in Privatsammlungen. Gleichzeitig gibt es bei „Lost Art“ auch Fundmeldungen von Kunstwerken, von denen man zwar weiß, dass sie Raub- und Beutekunst sind, aber zu denen (noch) kein Erbe gefunden werden konnte. Weiterlesen